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TANDEM TALK im Kopfcafé der BASFI

Ungefähr zwanzig interessierte Mitarbeiter/innen der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) trafen sich am 11. April 2019 um 13.00 Uhr auf Einladung von Alexandra Leydecker (Referat Förderung des freiwilligen Engagements). Sie hatte zum Thema „Patenschaften für geflüchtete Menschen“ eingeladen.

Ein Tandem live zu erleben, schlägt jeden Vortrag. Axel Limberg, Journalist und leidenschaftlicher Pate, schilderte im Gespräch mit dem 18jährigen Mojtaba Hossein Zadeh, der vor vier Jahren aus Afghanistan flüchtete, die Anfänge ihrer Patenschaft, die gemeinsamen Erfolgserlebnisse und die Verarbeitung von Rückschlägen. Es war berührend und informativ zugleich.

Und so ein Erfolg! Rose-Marie Hoffmann-Riem, Leiterin des AK Paten und Begleitung (BHFI), die das Gespräch moderierte, dankte für die spontane Bereitschaft aus dem Publikum, für den ersehnten Ausbildungsplatz für Mojtaba ihre Hilfe und Kontakte anzubieten.

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Lukas: „Bevor man Angst hat vor Menschen, die hierherkommen, sollte man sich lieber gegenseitig kennenlernen

Shahabedin kommt aus Afghanistan, Lukas aus Brandenburg. Kennengelernt haben sich die beiden jungen Männer Anfang 2017 in Hamburg. Shahabedin brauchte Hilfe mit der Schule und der Sprache – gefunden hat er Lukas. Das Projekt Schülerpaten hat den Studenten und den Auszubildenden zusammengeführt. Er findet es wichtig, sagt Lukas, auf die Menschen zuzugehen, die hierherkommen. „Es geht ja erstmal um Kontakt.“ Wenn Shahabedin und Lukas sich einmal in der Woche treffen, kochen sie zusammen, essen und lernen. „Den Hauptschulabschluss habe ich nur wegen Lukas geschafft“, sagt Shahabedin, der mit 16 alleine nach Deutschland kam und inzwischen fließend Deutsch spricht. Jetzt üben Lukas und er vor allem Englisch, damit Shahabedin auch noch den Realschulabschluss schafft – ihr nächstes gemeinsames Ziel.

Lukas und Shahabedin vom Projekt Schülerpaten Hamburg e.V. Foto: Kirsten Haarmann

Das Tandemportrait wurde im Rahmen des Projekts „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg stärken“ der BürgerStiftung Hamburg in Kooperation mit dem Mentor.Ring Hamburg e.V. erstellt.

„Die Patenschaft ist für mich eine Möglichkeit, andere Kontakte zu knüpfen und neue Kulturen kennenzulernen.“ (Ulrike, Patin)

Ein „L“ sollte es sein, zumindest ein kleines. Ein L-förmiges Sofa, davon träumte Sham, als er den Mietvertrag für seine erste eigene Wohnung unterschrieb. Ulrike, Shams Patin, erschien dieser Wunsch anfangs ziemlich abwegig. Ein ausladendes Sofa für ein 27 Quadratmeter großes Apartment? Doch im Internet fand sie tatsächlich ein „L“, das passte.

Die viel größere Herausforderung hatten Ulrike und Sham da bereits gemeistert: überhaupt eine Wohnung zu finden in Hamburg. Als die Tandempartner einander vorgestellt wurden, im Sommer 2016, ging für Ulrike ein langes Berufsleben zu Ende – für den damals 25-jährigen Sham fing es gerade erst an. Hinter Ulrike lagen 25 Jahre als Personalreferentin in einem Hamburger Unternehmen, hinter Sham lag die lebensgefährliche Flucht aus Eritrea, einem Land, in dem das Militär jungen Menschen vorschreibt, welchen Beruf sie auszuüben haben. Ulrike suchte eine sinnvolle Aufgabe, wollte neue Kulturen kennenlernen und landete, vermittelt durch eine Freundin, beim Verein „Hamburger mit Herz“. Sham brauchte jemanden, der mit ihm Deutsch lernte, mit Ulrikes Unterstützung bestand er die B1-Sprachprüfung. „Ich wusste ganz wenig über Eritrea“, erzählt die 63-Jährige, die eine erwachsene Tochter hat und in Eimsbüttel lebt.

Die Patenschaft sieht sie keineswegs als Einbahnstraße. Ulrike schätzt die Gespräche mit ihrem deutlich jüngeren Mentee, die beiden diskutieren viel, tauschen sich aus über ihre Vorstellungen vom Leben, reden über Religion. Durch Sham, der 2013 vor dem Militärdienst in seinem Heimatland floh und seine Frau und seinen Sohn mehr als fünf Jahre lang nicht sehen konnte, erfuhr Ulrike von den unwürdigen Zuständen in Eritrea, von der fehlenden Perspektive. Es ist eine vertrauensvolle Beziehung, die die beiden aufgebaut haben. Sie zeichnet sich aus durch gegenseitigen Respekt und eine große Offenheit für die Ansichten des anderen. Sham sagt seiner Mentorin, was er denkt. „Sie versteht sofort, was ich meine.“

Im Moment arbeitet der 27-Jährige in einer Autowaschanlage und hat noch einen Nebenjob – langfristig würde er gerne eine Ausbildung machen. Ulrike unterstützt ihn in seinen Plänen, würde ihn jedoch niemals zu etwas drängen. „Am Ende sage ich immer: Du bist erwachsen, musst du entscheiden.“ Was sie an Sham besonders mag: Dass er kontaktfreudig ist, fröhlich, und alles Neue spannend findet. „Und dass er immer auch an andere denkt.“

Der junge Mann, der in einer großen Familie auf dem Dorf aufgewachsen ist, lebte nach seiner Ankunft in Hamburg mehr als zwei Jahre in Gemeinschaftsunterkünften und sehnte sich nach einer eigenen Wohnung. Er baute auf Ulrikes Tatkraft, doch die musste ihn zunächst enttäuschen: „Ich kann dir auch keine Wohnung aus dem Stegreif zaubern“, sagte sie ihm und nahm ihn mit zu einer offenen Besichtigung, „da standen die Leute schon zur Tür raus“. Es brauchte Monate und unzählige Besuche bei Wohnungsbaugesellschaften in der ganzen Stadt, bis sie schließlich fündig wurden. Im Februar 2017 konnte Sham in ein Hochhaus der SAGA in Bramfeld einziehen. Bald darauf zog auch das kleine „L“ ein, auf dem Ulrike nun sitzt, wenn sie Sham besucht. Und auch für Shams Frau und den gemeinsamen Sohn, die Anfang des Jahres nach Deutschland kommen durften, ist noch genug Platz.

Ulrike Loeber und Sham Melake von Hamburger mit Herz e.V.

Foto: Kirsten Haarmann

Text: Maike Schlaht

Das Tandemportrait wurde im Rahmen des Projekts „Landungsbrücken – Patenschaften in Hamburg stärken“ der BürgerStiftung Hamburg in Kooperation mit dem Mentor.Ring Hamburg e.V. erstellt.